Mitgefühl

Mitgefühl zeigen - Empathie für dich und andere

Was ist Mitgefühl?

Mitgefühl (engl. compassion) bedeutet, am Leiden anderer Anteil zu nehmen, es nachzuempfinden und gleichzeitig den Wunsch zu verspüren, es zu lindern. Demzufolge setzt sich Mitgefühl aus den beiden Komponenten Empathie und Handlungsbereitschaft zusammen.
Wenn wir mitfühlend sind, reagieren wir mit „Verständnis, Geduld und Güte (…) anstatt mit Angst und Abwehr“ (Jinpa 2015: 22) auf die Not unseres Gegenübers.

Mitgefühl ist von Geburt an in uns angelegt. Als soziale Wesen reagieren wir von Beginn an auf Zuneigung und wenden uns bereits in jüngsten Jahren anderen mit Liebe, Neugier und Freundlichkeit zu. Diese Fähigkeit wird von den emotionalen Systemen unseres Gehirns gesteuert, insbesondere dem Beruhigungs- und Bindungssystem. Wenn wir in unserer frühen Kindheit auf Wohlwollen und Güte stoßen, haben wir gute Aussichten, zu mitfühlenden Menschen heranzureifen.

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 Wie entsteht Mitgefühl?

Unser Gehirn spiegelt bekannte Emotionen wider, wenn es diese bei anderen erkennt. Es aktiviert dieselben Bereiche, egal, ob wir nur sehen, wie jemand leidet oder selber leiden. Beobachten wir Freude oder Trauer, dann reagiert unser Gehirn genauso darauf, als ob wir es gerade selbst erleben. Daher zeigen wir am schnellsten Mitgefühl, wenn wir die Gefühle bereits kennen. Das bedeutet zudem, dass du mit Erlebtem, anderen leichter dein Mitgefühl zeigen kannst.

Warum ist Mitgefühl wichtig?

Wenn es uns schlecht geht, sehnen wir uns nach dem Mitgefühl von jemandem, der uns versteht und erkennt, wie es in uns aussieht. Wer Mitgefühl empfängt, fühlt sich verstanden, akzeptiert und geliebt. Er spürt, dass er nicht alleine ist. Mitgefühl zu geben ist ebenfalls etwas ganz Besonderes. Ein anderer Mensch öffnet sich und gibt dir einen tiefen Einblick in seine Gefühlswelt. Es stärkt das Vertrauen und damit die Beziehung, die positiven wie negativen Emotionen mit anderen zu teilen. Zeigst du Mitgefühl, erhältst du viel Wärme und Menschlichkeit zurück.

Wie lässt sich Mitgefühl lernen?

In Zeiten der Ellenbogengesellschaft bleibt Mitgefühl häufig auf der Strecke. Emotionen verstecken wir vor anderen, um nicht angreifbar zu sein. Dabei ist gerade das Mitgefühl eine wichtige Grundlage zwischenmenschlicher Beziehungen. Doch Mitgefühl kannst du wieder lernen und damit deine bestehenden Freundschaften stärken und neue Freunde finden. Interessiere dich mehr für deine Mitmenschen, lerne sie richtig kennen. Höre anderen intensiver und aktiver zu. Bestätige ihnen dein Mitgefühl, sage oder zeige ihnen, dass du sie verstehst. Versetze dich in ihre Situation und reflektiere deine eigenen Gefühle in ähnlichen Situationen, die du erlebt hast. Dann fällt es dir leichter, deine Mitmenschen und ihre Emotionen zu verstehen.

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Wie drückst du Mitgefühl aus?

Mitgefühl zu zeigen fällt nicht jedem leicht. Wichtig ist, dass du es ernst meinst und mit deinem Herzen dabei bist. Spiele anderen kein Mitgefühl vor, wenn du keines empfinden kannst. Das zerstört das Vertrauen. Sage anderen, dass du ihre Situation verstehst, aber nur, wenn du es auch tust. Ansonsten frage vorsichtig nach, setze dich mit ihren Gefühlen auseinander, bis du sie nachvollziehen kannst. Du zeigst dein Mitgefühl auch, indem du deine Hilfe anbietest. Manchmal reichen sogar Berührungen aus, wenn dir die Worte fehlen. Eine Umarmung oder eine Hand auf der Schulter zeigt dein Mitgefühl ebenfalls.

Lernen, üben, teilen!

Ist Mitgefühl Empathie?

Empathie bildet die Grundlage für Mitgefühl. Emphatische Menschen können sich in Situationen und Gefühle anderer hineinversetzen, sie nachempfinden. Compassion geht jedoch über Empathie hinaus. Mitfühlende Menschen wünschen ihrem Gegenüber Linderung und sind, wenn dies möglich ist, auch bereit aktiv zu dieser beizutragen.

Die Neurowissenschaftlerin Tania Singer (Kapitel 15) wies durch MRT-Scans des Gehirns den Unterschied zwischen Empathie und Mitgefühl auf neuronaler Ebene nach. So war bei Proband*innen, die lediglich Emotionen wie Schmerz, Angst oder Verzweiflung Dritter mitempfanden, das sogenannte Schmerzempathie-Netzwerk aktiv. Dieses reine Mitleiden, zum Beispiel durch Pflegepersonen, führt auf Dauer zu emotionaler und psychischer Erschöpfung.

Befand sich die gescannte Person hingegen in einem mit fühlenden Zustand beobachteten die Forscher eine erhöhte Insula-Aktivitität. Der Mönch und Versuchsteilnehmer Matthieu Ricard berichtete darüber hinaus, völlig andere Emotionen wahrzunehmen. Anstelle des schmerzvollen Leids fühlte er warme Gefühle wie Sorge und Liebe für die Leidenden sowie eine starke Motivation zu helfen.

Sobald wir von der reinen Empathie ins Mitgefühl kommen, ändert sich demnach unsere seelische Befindlichkeit. Darüber hinaus spürt auch unser Gegenüber die ehrliche Anteilnahme. Mitgefühl wirkt sich somit auf beide Seiten positiv aus und trägt zu unserem Wohlbefinden bei.

Wann entwickeln Kinder Mitgefühl?

Das Potenzial zu Empathie und Mitgefühl ist angeboren und wird über das Spiegelneuronensystem erlernt und ausgebaut. Dieser Lernprozess beginnt bereits im Säuglingsalter, indem Babys zunächst Emotionen spiegeln. So lächeln sie beispielsweise, wenn sie selber angelächelt werden oder reagieren auf positive Zuwendung. Daher sind fürsorgliche, liebevolle Bezugspersonen von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung der Empathiefähigkeit.

Ab einem Alter von etwa zwei Jahren ahmen Kinder das Verhalten anderer nach. Werden sie beispielsweise nach einem Sturz getröstet, versuchen sie ebenfalls Trost zu spenden, wenn ein anderes Kind fällt. Allerdings verstehen sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass unterschiedliche Personen unterschiedliche Bedürfnisse haben. Die Fähigkeit zu echter Empathie, also sich wirklich in einen anderen hinein versetzen zu können, entsteht ab einem Alter von etwa vier Jahren. Dann sind Kinder in der Lage, sich sowohl als eigenständige Person wahrzunehmen als auch Gedanken und Wünsche anderer nachzuvollziehen. Auf dieser Basis kann Mitgefühl reifen.

Du kannst dein Kind in dieser Entwicklung mit frühkindlicher Erziehung unterstützen, indem du:
- es ihm vorlebst
- deine und seine Gefühle verbalisierst
- mit ihm die Ursachen für sein eigenes Unwohlsein und das anderer erkundest
- ihm zeigst, wie es selber aktiv werden und auf widrigen Situationen Einfluss nehmen kann

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Was unterscheidet Mitleid und Mitgefühl?

Wer Mitgefühl empfindet, begegnet seinem Gegenüber auf Augenhöhe, sieht ihn als gleichwertigen Mit-Menschen an, unabhängig von ethnischer Herkunft, Religionszugehörigkeit, Alter, Geschlecht oder sozialem Status. Wir können uns in die Lage des/der anderen hineinversetzen, sie verstehen und besitzen eine ausgeprägte Motivation, sein/ihr Leid zu schmälern.

Mitleid hingegen entsteht zumeist aus einem (gefühlten) Gefälle heraus. So bemitleiden wir den/die Bettler*in am Straßenrand oder die Flüchtlinge im griechischen Auffanglager. Selbst wenn wir durch Geldspenden helfen, sind die Gedanken, Motive oder Gefühle andere. Vielleicht handeln wir aus sozialer Verantwortung heraus oder um unser Gewissen zu beruhigen. Letztlich möchten wir aber nicht wirklich mit den Menschen in Kontakt treten. Gedanken wie: „Der/die tut mir aber leid“ oder „So ein schlimmes Schicksal“, verraten uns selbst, dass wir gerade Mitleid anstelle von Mitgefühl empfinden.

Wie verstärkt Mitgefühl die gesellschaftliche Polarisierung?

Die meisten von uns empfinden Mitgefühl vor allem mit Menschen einer Gruppe, der wir uns selber zuordnen. So schreibt Paul Gilbert (Kapitel 7): „(W)ir ziehen unsere eigene Gruppe den Bedürfnissen und Wünschen anderer Gruppen vor, sogar bis hin zu dem Punkt, dass wir andere Gruppen ausnutzen, um unsere eigenen Wünsche zu befriedigen und ‚Hass zu kultivieren‘.“

Evolutionär gesehen bringt uns die Mitgliedschaft in einer Gruppe, ob es sich nun um Familie, Stamm, Nation, Religion oder politische Partei handelt, Vorteile. Insbesondere unsere Bedürfnisse nach Sicherheit und Zugehörigkeit werden so befriedigt. Jedoch können Abgrenzung und fehlendes Mitgefühl gegenüber Außenstehenden im Umkehrschluss die Angst vor Andersdenkenden und somit die Polarisierung innerhalb einer Gesellschaft befördern.

Dies belegt eine Studie aus den USA, in der Empathiefähigkeit und Verhalten von Republikaner*innen wie Demokrat*innen gegenüber Anhänger*innen der jeweils anderen Partei erforscht wurden. Im Ergebnis zeigten emphatische Menschen mehr Mitgefühl gegenüber Angehörigen der eigen Gruppe, aber auch mehr Feindseligkeit gegenüber jenen der gegnerischen Fraktion.

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Gibt es Menschen die kein Mitgefühl empfinden?

Die Grundlage für Mitgefühl bildet unsere Empathiefähigkeit, also das Vermögen, sich in andere hineinversetzen sowie ihre Gefühle und Bedürfnisse verstehen zu können. Das Potential hierzu ist von Klein auf in uns angelegt. Inwiefern es sich entfalten kann hängt jedoch von unseren (Kindheits)Erfahrungen und unserem Wissen ab. Menschen, denen es schwer fällt, sich auf die Emotionen anderer einzulassen oder mit ihnen in Resonanz zu treten, werden daher Probleme haben, Mitgefühl zu empfinden und auszudrücken.

Darüber hinaus existieren verschiedene psychische Erkrankungen, die unsere Empathie- und Mitgefühlfähigkeit einschränken oder behindern. So fällt es Menschen mit einer antisozialen Persönlichkeitsstörung schwer, sich in andere hinein zuversetzen und stabile Beziehungen aufzubauen. Bei Psychopath*innen ist die Unfähigkeit zur Empathie sogar eines der Hauptdiagnosekriterien. Auch Personen, die unter einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung leiden, besitzen ein stark eingeschränktes Einfühlungsvermögen.

Menschen im Autismus-Spektrums-Bereich haben hingegen, wie eine Studie der Max-Planck-Gesellschaft zeigt, die Fähigkeit zu einfühlender Anteilnahme (emotionale Empathie), wenn ihnen das Leid einer anderen Person bewusst (gemacht) wird. Schwierigkeiten bestehen jedoch darin, dieses anhand von Gestik, Mimik oder Tonfall korrekt zu erkennen und zu benennen (kognitive Empathie).

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MItgefühl und das hineinversetzen in andere Menschen

Unter Mitgefühl (engl. compassion) versteht man die Fähigkeit, sich in das Leiden anderer Menschen hineinversetzen bzw. es nachempfinden und verstehen zu können, verbunden mit einer starken Motivation, es zu lindern. Dabei nehmen wir eine geistige Haltung ein, die von Güte und Freundlichkeit geprägt ist. mitfühlende Anteilnahme unterscheidet sich dadurch deutlich von reiner Empathie. Bei letzterer spüren wir zwar die Freude, das Leid oder den Schmerz unseres Gegenübers, belassen aber auch dabei. Personen mit einer starken Empathiefähigkeit neigen sogar dazu, sich so sehr in das Unglück anderer zu vertiefen, dass sie selber ausbrennen.

Die unterschiedlichen Empfindungen eines rein emphatischen sowie eines mitfühlenden Geisteszustandes lassen sich sogar im Gehirn mittels MRT abbilden. Bei reiner Empathie ist das Schmerzempathie-Netzwerk aktiv, während sich Mitgefühl in der Insula zeigt (vgl. Klimecki/Ricard/Singer 2013, Kapitel 13). Mitgefühl zu kultivieren trägt auch aus neurowissenschaftlicher Sicht zu unserem eigenen Wohlergehen bei und reduziert zum Beispiel Stress. Altruistische und mitfühlende Menschen sind einer Studie zufolge insgesamt glücklicher und leiden seltener unter psychischen Problemen wie Depressionen.

Neben der Sichtweise auf Mitgefühl als Emotion und Motivation wahrgenommenes Leiden anderer zu reduzieren, kann es ebenso als Lebenseinstellung betrachtet werden. In der buddhistischen Tradition ist Mitgefühl als Bestandteil der Lehre und Komponente auf dem Weg zu Erleuchtung tief verankert und eine der vier Unermesslichen (vgl. Hangartner, Kapitel 8). Es wird unter anderem durch Mitgefühlsmeditationen eingeübt, kultiviert und auf sämtliche Lebewesen ausgeweitet.

Jedoch existiert auch eine Schattenseite von Empathie und Mitgefühl. Zumeist fällt es uns leicht, uns in die Gedanken- und Gefühlswelt uns nahestehender Personen oder Mitglieder der gleichen Gruppe hineinzuversetzen. Gleichzeitig grenzen wir uns von Andersdenkenden ab oder empfinden ihnen gegenüber Konkurrenz, Feindschaft oder Abscheu. In dem Maß, in dem das Verständnis für die gegnerische Seite abnimmt, kann die Polarisierung innerhalb oder zwischen Gesellschaften wachsen. Das Training des eigenen Mitgefühls über Gruppengrenzen hinweg kann hier Abhilfe schaffen.

Ein guter Ausgangspunkt ist das Erlernen von Achtsamkeit und Selbstmitgefühl. Achtsam, freundlich und verständnisvoll mit uns selber umzugehen, unser eigenes Leid zu lindern oder uns Fehler zu vergeben, hat dabei nichts mit Selbstmitleid gemein. Anstatt unsere eigenes Unglück zu bedauern, handeln wir uns selbst gegenüber gütig und tragen aktiv zur Verbesserung unserer Situation bei. Hangartner (Kapitel 8) sieht im Selbstmitleid oder Mitleid mit anderen sogar eine Gefahr. So schreibt er: „Mitleid blockiert zudem die eigenen Impulse und Aktivitäten, das Leid in einer angemessenen Weise zu lindern, und kann Leid sogar noch vermehren.“

Auf happiness.com findest du zahlreiche Beiträge und Kurse, die dir helfen, eine positivere Sicht auf dich zu entwickeln sowie mit Stress oder Unglück besser umzugehen. Mitgefühl zu kultivieren und eine mitfühlende Geisteshaltung zu entwickeln ist ein erster Schritt zu mehr Wohlbefinden. Es hat aber nicht nur Effekte für die eigene Gesundheit. Ein achtsamer, wertschätzender Umgang mit unseren Mitmenschen sowie der Umwelt leistet ebenso einen Beitrag zu einer besseren Welt.

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