Freundschaft

Freundschaft mit Vertrauen

Was ist Freundschaft?

Freundschaft ist ein durchweg positiv besetzter Begriff und beinhaltet Zuneigung, Vertrauen, Sicherheit, Unterstützung, Trost, Offenheit und Nähe, um nur einige Assoziationen zu nennen. Okay, es gibt auch den Begriff der toxischen Freundschaft oder auch der politischen Freundschaft, da lässt es sich darüber streiten, ob wir hier noch über einen durchweg positiven Freundschaftsbegriff reden…

Aber wir sind ja hier auf happiness.com und da möchten wir uns zunächst auf die positiven Aspekte des Begriffes der Freundschaft konzentrieren.
Hier zwei externe Definitionen zum Aufwärmen:

“Freundschaft bezeichnet ein auf gegenseitiger Zuneigung beruhendes Verhältnis von Menschen zueinander, das sich durch Sympathie und Vertrauen auszeichnet. Eine in einer freundschaftlichen Beziehung stehende Person heißt Freund beziehungsweise Freundin.” [1]

“Freundschaft ist eine zwischenmenschliche Beziehung, die besonders viel individuellen Gestaltungsspielraum bietet. Freundinnen und Freunde bestimmen selbst, wie die Freundschaft geführt werden soll, wie intensiv, wie nah, wie offen, wie oft und in welcher Art und Weise sie füreinander da sein wollen.” [2]

Und diese Einleitung schließen wir mit Aristoteles, der eingehend über das Thema der Freundschaft philosophiert hat. Er definierte, dass die 3 Voraussetzungen für echte Freundschaft die folgenden sind: Gegenliebe, Wohlwollen und Gesinnung.

"Dem Freunde aber, sagt man, muß man um seiner selbst willen das Gute wünschen."

Was macht eine Freundschaft aus?

„Ein wahrer Freund ist der, der Deine Hand nimmt, aber Dein Herz berührt.“
Gabriel Garcia Marquez

Freundschaft bzw der Freundeskreis wird häufig auch als Wahlverwandtschaft oder Wahlfamilie bezeichnet, was zwei wichtige Aspekte einer Freundschaft betont: Die emotionale Nähe und die Freiwilligkeit.

Überspitzt gesagt: Eine Familie kann man sich nicht aussuchen, Freunde und Freundinnen aber schon. Dazu kommt auch, dass Freundschaften zeitlich begrenzt sein können, denn manche Freundschaften haben ein Verfallsdatum, wenn man sich auseinander entwickelt hat und die Seele der Freundschaft abhanden gekommen ist. Das kann genauso schmerzhaft sein wie das Ende einer Liebesbeziehung, denn im Prinzip ist eine tiefe Freundschaft nichts anderes als das: eine Liebesbeziehung, in den meisten Fällen allerdings ohne Sex.

Eine Freundschaft beruht idealerweise auf Gegenseitigkeit und besitzt für jede beteiligte Person einen individuellen Wert, der unterschiedlich stark gewichtet und aus verschiedenen inhaltlichen Bestandteilen zusammengesetzt sein kann. Jede Freundschaft hat ein Gestern, ein Heute und ein Morgen und aufgrund des Aspektes der Freiwilligkeit dieser freundschaftlichen Beziehung steht es den beteiligten Personen jederzeit offen, über den Fortbestand der Freundschaft nachzudenken und gegebenenfalls die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen.

Hier noch abschließend ein buntes Sammelsurium an Begriffen, die im Zusammenhang mit dem Aufbau und Erhalt einer Freundschaft stehen:

Selbstbewusstsein - Selbstachtung - Achtung gegenüber dem Anderen - Respekt - Toleranz - gleiche oder ähnliche Wertvorstellungen - Gemeinsamkeit - Wahrhaftigkeit - Verlässlichkeit - Vertrauen - Solidarität - Loyalität - Verständnis - dauerhafte Zuneigung - Offenheit - Empathie - Anteilnahme - Sympathie - Authentizität - Bedingungslosigkeit - Rücksichtnahme - Gegenseitigkeit

Warum sind Freundschaften wichtig?

Schon als Kinder beginnen wir Freundschaften mit Gleichaltrigen zu schließen. Dies ist der erste Schritt raus aus der Ursprungsfamilie und damit auch der erste Schritt in Richtung Selbstständigkeit und Persönlichkeitsentwicklung. Kinderfreundschaften sind ein integraler Baustein zum Aufbau sozialer und kognitiver Fähigkeiten, fördern maßgeblich die Entwicklung des Selbstbildes und des Selbstwertgefühles. Und so lernen wir schon im Sandkasten Entscheidendes für unsere zukünftige Beziehungsgestaltung: Problemlösung, das Finden von Kompromissen, Konfliktbewältigung, Empathie und Solidarität.

Freundschaften schützen uns vor Einsamkeit. Niemand ist eine Insel und wir brauchen die Bestätigung und damit die Unterstützung unserer sozialen Familie, um unseren Wert zu spüren. Gute Freundschaften sorgen für unser seelisches Gleichgewicht und manche Forschungen besagen, dass Menschen, die gute und stabile Freundschaften unterhalten, eine bis zu 50% höhere Lebenserwartung haben können als Menschen ohne ein starkes soziales Netzwerk [3]. Fünfzig Prozent!

Und noch eine beeindruckende Zahl für die Statistiker*innen unter uns: Eine innige verlässliche Freundschaft macht uns laut Forschung ebenso glücklich und zufrieden wie ein Jahresgehalt von 90.000 Euro [3]. Was aber auf keinen Fall bedeuten soll, dass eine Freundschaft mit Geld aufgewogen werden könnte!

Freunde und Freundinnen sind unser Anker nicht nur in schwierigen Zeiten. Mit ihnen können wir lachen und Blödsinn machen, ganz egal wie alt wir sind. Sie kennen unser wahres Ich und lieben uns trotzdem. Freund*innen motivieren uns und geben uns Kraft, sagen uns aber auch ehrlich, wenn wir uns gerade auf dem Holzweg befinden.

Was kann eine Freundschaft bewirken?

Ein paar positive Effekte, die Freundschaften bewirken können haben wir bereits erwähnt: Der positive Einfluss auf die Lebenserwartung und auf das gefühlte Glück.
Im Umkehrschluss bedeutet die Abwesenheit von Freunden - die Einsamkeit - laut der Studie der Brigham Young University ein höheres Risiko, an Depressionen oder anderen psychischen Krankheiten zu erkranken. Einsamkeit bzw. ein schwaches soziales Umfeld verringert - laut den Studien [3] - die Lebenserwartung genauso, als wenn wir am Tag 15 Zigaretten rauchen würden.

Freundschaften können also durchaus ein längeres, gesünderes Leben bewirken. Freundschaften machen uns auch selbstbewusster, nicht zwingend dadurch, dass uns unsere Freunde und Freundinnen mit netten Worten in unserer Einzigartigkeit und Liebenswürdigkeit bestätigen (obwohl das natürlich auch echt gut tun kann!), sondern allein schon durch die gemeinsam verbrachte Zeit und die Nähe zueinander (auch über Entfernung!).

Das Zusammensein mit unseren Freunden und Freundinnen senkt unser Stresslevel. Logisch, wir entspannen uns nach einem stressigen Tag im Kreise unserer Freunde deutlich schneller als alleine auf dem Sofa. Alleine bis auf die Gedanken, die sich immer noch mit dem Stress des Tages beschäftigen…
Dies ist auch körperlich messbar. Denn ein hohes Stresslevel führt zu einem höheren Cortisolspiegel, was zunächst einmal Sinn macht, denn Cortisol macht uns kurzfristig in Stresssituationen leistungs- und widerstandsfähiger. Ein dauerhaft erhöhter Cortisolspiegel jedoch hat negative Folgen z. B. auf unsere Konzentrationsfähigkeit und auf unseren Schlaf.
Beim Zusammensein im Freundeskreis lassen wir den Stress leichter hinter uns und unser Cortisolspiegel sinkt.

Und noch ein anderes Hormon taucht im Zusammenhang mit Freundschaft auf: das Oxytocin. Das als Bindungshormon bekannte Oxytocin[4] wird vermehrt ausgeschüttet, wenn wir uns in lieber Gesellschaft befinden, und das funktioniert auch, wenn man nicht an einem Ort ist. Das Gefühl, mit einem guten Freund am Telefon zu reden, oder mit der besten Freundin zu skypen sorgt ebenfalls für einen Oxytocin-Kick. Und das Tolle an Oxytocin ist, dass es nicht nur durch das Gefühl inniger Freundschaft vermehrt produziert wird, es führt auch dazu, dass wir leichter neue Bindungen eingehen und uns mit mehr Empathie durch die Welt bewegen!

Und last but not least: Freundschaft ist ein Killer. Nämlich einer, der Langeweile verschwinden lässt. Wir langweilen uns doch eher selten, wenn wir mit Freunden und Freundinnen zusammen sind und wenn doch, dann kommt eine*r aus der Runde sicherlich auf eine gute Idee, wie man dem gemeinsam Abhilfe schaffen kann.
Und nicht nur das! Durch eine gute Freundin lernen wir vielleicht unsere Begeisterung für Martial Arts kennen und lieben oder ein guter Freund zeigt uns, dass Stricken durchaus Spaß machen kann und gleichzeitig Shoppinganfälle dezimiert.

Wie schließen und festigen wir eine Freundschaft?

Was als Bekanntschaft beginnt, entwickelt sich mit etwas Glück und gegenseitiger Sympathie nach einer Zeit zu einer Freundschaft. Und je mehr Zeit wir miteinander verbringen, desto tiefer geht das Vertrauensverhältnis. Denn das gemeinsame Erleben von Situationen und Phasen, das Durchleben von Krisen und das miteinander reden schaffen einen Pool von gemeinsamen Erlebnissen, die zu gemeinsamen Erinnerungen werden. Und diese sind essentiell für uns und das Fundament der Freundschaft.

Paul H. Wright, eine Koryphäe der Freundschaftsforschung, sagt über das Funktionieren von Erwachsenenfreundschaften in einem Ansatz, der Selbstkonzeptforschung mit Lerntheorie verknüpft: Durch belohnende Interaktionen werden die Ziele des Selbst in Freundschaften gefördert. So können einem Freunde etwa vermitteln, daß man ein kompetenter Mensch ist, mit dem es sinnvoll ist, Zeit zu verbringen. [2]

Etwas ist zugleich bitter als auch natürlich: Nicht jede Freundschaft wird uns bis ans Sterbebett erhalten bleiben. Auch sehr innige beste Freundschaften können enden oder zu etwas lockerem, weniger intensiven Miteinander werden. Es ist wie in der Liebe: Wenn es nicht mehr zusammenpasst, dann sollten wir unsere Partner*innen gehen lassen. Und mit Freundschaften verhält es sich ähnlich. Diese gehen zwar nicht so schnell auseinander wie so manche Liebesbeziehungen, denn in einer Freundschaft sind die möglichen Konfliktpunkte nicht so zahlreich. Aber dennoch kann es einen Punkt geben, an dem wir das Gefühl haben: Es passt nicht mehr. Es ist alles gesagt. Wir müssen uns aufraffen, den anderen Menschen zu treffen. Doch dazu später mehr.

Gehen wir zurück auf Anfang: Wie schließen wir neue Freundschaften? Wo finden wir neue Freunde und Freundinnen?

Viele behaupten, es sei mit zunehmendem Alter immer schwieriger neue Freundschaften einzugehen. Wir von happiness.com meinen: Das lässt sich nicht so einfach pauschalisieren.
Da der Mensch an sich in seinem Leben immer länger aktiv bleibt und der Ausdruck des “alten Eisens” mittlerweile selbst zu den alten Eisen gehört, ist auch der Aktionsradius bei älteren Personen nicht mehr mit dem (durchschnittlichen) von vor 50 oder gar 100 Jahren vergleichbar. Diese Entwicklung hat sich zum Glück sehr positiv gerade auf Frauen ausgewirkt und insgesamt betrachtet hat die ganze Demontage des altherrgebrachten Rollenbildes, des Genderverständnisses und der allgemein höhere Willen zur Akzeptanz und Toleranz aller Mitmenschen zu der heutigen Situation geführt, dass Freundschaften das ganze Leben lang geschlossen werden können und zwar über alle Grenzen (Alter, Herkunft, Bildung, Gender, Erfahrung, Einstellung, Sprache, Lebenssituation und und und…) hinweg.

Das einzige, was es für eine Freundschaft braucht, sind mindestens 2 Menschen, die bereit sind, sich zu öffnen, die bereit sind, zuzuhören und die bereit sind, aus einem Ich und einem Du ein Wir zu machen. Und wie in einer erwachsenen Beziehung auf Augenhöhe sein und bleiben, den gegenseitigen Respekt nicht zu vergessen und den anderen nicht für selbstverständlich hinnehmen, denn: Auch Freundschaft braucht Engagement!

 Lernen - Üben - Teilen - Freunde finden!

Was ist die Kehrseite der Freundschafts-Medaille?

Wir wollen das Folgende nicht unter den Teppich kehren: Es ist nicht immer alles eitel Sonnenschein. In jeder Freundschaft knirscht oder kracht es irgendwann einmal. Das kann das Ende dieser Freundschaft bedeuten oder wir gehen krisenfester aus den Verstimmungen und Streitigkeiten heraus.
Was ist aber, wenn es sich nicht um negative Phasen oder zeitweilige Animositäten geht? Sondern wenn das gesamte Fundament der Freundschaft brüchig ist oder vielleicht auch niemals gegeben war?

Wenn wir realisieren, dass uns die Freundschaft nicht gut tut oder sogar schadet, dann sprechen wir von einer “toxischen Freundschaft” [7]. Ähnlich wie bei einer toxischen Liebesbeziehung ist die emotionale Nähe zwar groß (zumindest bei einer der beiden Personen), die Beziehung zueinander findet aber nicht auf Augenhöhe statt und fußt schon gar nicht auf gegenseitigem Respekt und Zuneigung.

Eine solche toxische Freundschaft erkennen wir z. B. daran, dass uns das Zusammensein mit der anderen Person richtiggehend schlaucht. Nach einem gemeinsamen Tag bräuchten wir eigentlich Urlaub, aber mit Sicherheit erst einmal eine Pause von dieser Freundschaft. Anstatt uns gegenseitig Kraft und Freude zu geben und derart gestärkt aus dem Treffen herauszugehen, hängen wir nachher in den Seilen, fühlen uns leer und matt und uns geht langsam auf, dass das Gleichgewicht zwischen Geben und Nehmen, das wichtig für eine Freundschaft ist, irgendwann gekippt ist.

Aber was nun? Die Karten auf den Tisch legen und versuchen, die Freundschaft von allem Toxischen zu befreien und damit zu retten? Einen Schlussstrich ziehen, wenn nichts mehr zu retten ist? Dazu kommen wir… gleich!

Wie merken wir, dass eine Freundschaft endet?

Zuerst bemühen wir mal wieder die Statistik:
Die Hälfte unserer Freundschaften scheitern im Laufe von 7 Jahren [8]. Es ist also nichts Ungewöhnliches, wenn eine Freundschaft vor die Hunde geht. Und beruhigenderweise sind es meist nicht die Herzens-Freundschaften, die sich in Luft auflösen.

Trotzdem ist es natürlich hart und traurig, wenn eine Person, mit der wir viel Zeit verbracht haben und die uns sehr nahe stand, auf einmal aus unserem Leben verschwindet. Aber wenn es gute Gründe gibt, dann ist es auch besser so.

Aber was sind das für Gründe, woran merken wir, dass es Zeit ist Schluss zu machen?
Das Ende einer Freundschaft fühlt sich ziemlich genauso an wie das Ende einer Liebesbeziehung. Der Unterschied ist, wir können keine Freunde bleiben, denn das waren wir ja schon. Und es gibt wie am Ende einer Beziehung Phasen des Leugnens, wir wollen nicht aufgeben, sondern das, was mal war, retten.
Und das ist auch meist der entscheidende Punkt: Das, was mal war

Wollen wir wirklich weitermachen, wenn…
… die beste Freundin nicht da ist, wenn es uns dreckig geht, auch wenn wir am nächsten Tag auf Insta sehen, dass sie nicht ihre kranke Oma besucht hat, sondern feiern war?
… der beste Kumpel nicht mehr zuhört, sondern nur noch von sich redet, redet und redet?
… wenn der beste Freund kein nettes Wort mehr hat, sondern nur mit Kritik und Vorwürfen aufwartet?
… oder wenn du immer “Hüh” sagst und er / sie nur noch mit “hott” antwortet?

Wenn Fürsorge, Zugewandtheit, Ehrlichkeit, Support und Gemeinsamkeit ins Gegenteil verkehrt sind, dann ist in der Freundschaft definitiv der Wurm drin.
Natürlich werfen wir nicht sofort das Handtuch, aber instinktiv spüren wir, wenn das, was mal war, nun weg und Geschichte ist. Und das ist dann die richtige Zeit, sich zusammenzusetzen, die Karten auf den Tisch zu legen, vielleicht ein bisschen zu heulen und vor das BFF ein "Ex-" zu setzen.

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